Interaktive AudioVisuelle Mediendienste
Einführung eines Serviceangebots zur Erstellung interaktiver audiovisueller Veranstaltungsdokumentationen an der Universität AugsburgLaufzeit: 01.01.2007 - 31.03.2010
Projektstatus: Laufend
Projekttyp: Entwicklung, Implementierung und Evaluation
Forschungskontext: Universität
Schlagwörter: Audiovisuelle Dokumentationen, Interaktive Medienplayer, Lecture Recording, Live-Authoring, Streaming-Media
Auftraggeber
DFG-Projekt "Aufbau eines IT-Servicezentrums"Ansprechpartner(innen)
Christian GeierMitwirkende
Thomas SporerUlrich Fahrner
Eva Opitz
Jens Hansen
Simon Waechter
Philipp Klose
Bastian Seitz
Stefanie Erhard
Daniel Frank
Ausgangslage
Als eine der ersten Universitäten in Deutschland war das Videolabor der Philosophischen Fakultät I der Universität Augsburg mit einem Studioklassenzimmer ausgestattet. Eine Mitschauanlage diente damals zu Forschungszwecken im Rahmen der empirischen Unterrichtsanalyse und zur Vermittlung von Wissen in Lehrveranstaltungen. Mit der Gründung des Instituts für Medien und Bildungstechnologie (imb) wurde das Videolabor in Medienlabor umbenannt, was auf die Umstellung von analogen auf digitale Technologien zurückzuführen ist. Da das Medienlabor über langjährige Erfahrungen mit der Videodokumentation von wissenschaftlichen Veranstaltungen verfügt, kann die Universität Augsburg künftig auch bei den neuen Möglichkeiten digitaler Medien eine Vorreiterrolle einnehmen. Beim “Aufbau der AV-Mediendienste” wurde in diesem Zusammenhang das an der Universität Regensburg entwickelte Konzept Knowledgebay zur Produktion von inhaltlich-multimedial aufbereiteten, wissenschaftlichen Veranstaltungsdokumentationen (z.B. Online-Vorlesungen, Podcasts) aufgegriffen und das bestehende Autorentool gemeinsam mit den Projektgründern weiterentwickelt. Seit Sommersemester 2008 werden Veranstaltungen im universitären Regelbetrieb aufgezeichnet. Die Vorlesungen werden mit Kameras und Mikrophonen begleitet, die Präsentationen der Dozenten live mitgeschnitten. Die ins Internet gestreamten Videos erhalten parallel ein Inhaltsverzeichnis. Dank dieser Gliederung ist später eine gezielte Sichtung nach Themenabschnitten möglich. Über DigiCampus ist die Veranstaltung im Internet zu sehen. Dies ist ein von der DFG gefördertes Projekt im Rahmen des IT-Servicezentrums an der Universität Augsburg.
Projektziele
Ziel des Projekts “Aufbau der AV-Mediendienste” ist ein campusweites Dienstleistungsangebot für die Erstellung von interaktiven audiovisuellen Dokumentationen von wissenschaftlichen Veranstaltungen (z.B. Vorlesungen, Vortragen, Diskussionen). Diese an der Universität Augsburg produzierten digitalen Wissensmedien wurden anfänglich über das inzwischen eingestellte Informationsangebot www.knowledgebay.de im Internet bereitgestellt - derzeit ist das Angebot der audiovisuellen Mediendienste allein im Digicampus abrufbar. Neben dem Abruf von Veranstaltungsmitschnitten aus einem Online-Archiv erfolgt durch die AV-Mediendienste auch eine inhaltlich-multimediale Aufbereitung und eine Anreicherung der Audio- bzw. Videomitschnitte mit interaktiven Kommunikationswerkzeugen, die einen virtuellen Diskurs der Nutzer zu den Inhalten der Wissensmedien ermöglichen. Im Rahmen der Förderung durch das Augsburger IT-Servicezentrum soll die Gründung der Servicegruppe „AV-Mediendienste“, die Realisierung von drei prototypischen Einsatzszenarien dieser Produkte und Dienstleistungen sowie die wissenschaftliche Untersuchung dieser Szenarien:
- Verbesserung der Außendarstellung der Universität durch innovative Formate zur Präsentation wissenschaftlicher Inhalte (Beispiel: Kinder-Uni)
- Verbesserung der wissenschaftlichen Erkenntnisgewinnung als Forschungsinstrument zur kollaborativen Wissensgenerierung (Beispiel: GMW-Tagung)
- Verbesserung der Didaktik von Präsenz-Vorlesungen durch deren Aufbereitung zu einem interaktiven Rich-Media-Format (Beispiel: Online-Vorlesung)
Da die Produktion solche digitalen Wissensmedien sehr zeitaufwändig sein kann, wurden im Rahmen der AV-Mediendienste diese interaktiven audiovisuellen Veranstaltungsmitschnitte in Echtzeit erstellt (vgl. Live-Beispiel) - eine erneute Einführung der Livefunktionalität ist für 2010 angedacht, Zudem läuft im Rahmen des Betacampus-Projekts eine geförderte Entwicklung eines Drupal-basierten Moduls, mit dem das Plugin der AV-Mediendienste außerhalb von StudIP (der Basis hinter vielen Bereichen des Digicamus) eingesetzt werden kann.
Projektinhalt
Das Projekt „Aufbau der AV-Mediendienste“ besteht aus einem Mix aus technischen, organisatorischen und wissenschaftlichen Arbeitsfeldern:
- Technischer Ausgangspunkt ist ein halbautomatisches Aufzeichnungssystem, mit dem Audio und Videomitschnitte von Veranstaltungen einfach und kostengünstig produziert werden können. Mit Hilfe einer Kombination aus Streaming-Server und einem webbasierten Autorentool können die Audio bzw. Videomitschnitte dann via Funknetz auf mobile Endgeräte übertragen und in Echtzeit mit Metadaten (z.B. Schlagworte, Anmerkungen, Weblinks) angereichert werden. Diese Zusatzinformationen werden dann durch das Autorentool zu einem Rich-Media-Dokument kompiliert sowie inhaltlich und formal erschlossen (vgl. Live-Beispiel). Die hierzu eingesetzte Softwarelösung wurde die im Rahmen des Projekts Knowledgebay entwickelt und soll im Zuge einer Re-Implementierung als Open-Source-Software neu entwickelt und veröffentlicht werden.
- Organisatorisch wird für die Einführung der AV-Mediendienste eine Servicegruppe aufgebaut, die für den Betrieb der AV-Mediendienste sowie die Bereitstellung des campusweiten Dienstleistungsangebots verantwortlich ist. Der operative Betrieb der AV-Mediendienste erfolgt in Zusammenarbeit von Studierenden, Lehrenden und ITS-Mitarbeitern, wobei die eigentliche Medienproduktion von Studierenden realisiert wird. Die Ausbildung der studentischen Mitarbeiter der AV-Mediendienste findet dabei am Medienlabor statt, wobei die sie nach dem „Meister-Lehrling-Prinzip“ durch die Angestellten des Medienlabors unterstützt werden.
- Neben den technischen und organisatorischen Arbeitsfeldern, findet eine wissenschaftliche Begleitung der drei Einsatzszenarien der AV-Mediendienste statt. Es werden die Akzeptanz, die Nutzung und die Effekte der durch die AV-Mediendienste angebotenen Produkte und Dienstleistungen untersucht. Die Erkenntnisziele sind dabei, in wie weit die Außendarstellung der Universität durch innovative Formate zur Präsentation wissenschaftlicher Inhalte profitiert, der Einsatz interaktiver Veranstaltungsdokumentationen einen Mehrwert für die wissenschaftliche Erkenntnisgewinnung bietet und Präsenz-Vorlesungen durch deren Aufbereitung zu Online-Vorlesungen in einem interaktiven Rich-Media-Format didaktisch sinnvoll sind (vgl. Projektziel).
- Ein kurzer Videoclip zum Projekt steht unter: http://www.imb-uni-augsburg.de/institut/presse/pi/avmd-imagefilm
Projektnutzen
Durch die Entwicklung eines Modells zur kostengünstigen Bereitstellung von digitalen Veranstaltungsdokumentationen und die Erschließung von neuen Umgangsformen mit Audio- und Videodokumenten wird es mit den AV-Mediendiensten künftig möglich sein, dass die Universität Augsburg eine größere Zahl an Veranstaltungsmitschnitten (ausgewählte Vorlesungen, wissenschaftliche Tagungen und Konferenzen etc.) anbietet. Über das Online-Archiv können die Nutzer des Informationsangebots bei Bedarf zu jeder Zeit und an jedem Ort auf Dokumentationen von Veranstaltungen zugreifen. Bei der Wiedergabe der Medien können die Nutzer die Dokumente mit zusätzlichen Informationen anreichern (z.B. Upload von Vorlesungsmaterialien) und in einen virtuellen Diskurs zu den Inhalten (z.B. Kommentierung von Aussagen des Referenten) treten. Die Einsatzszenarien umfassen dabei die Organisation von Lehre und Studium, die Kommunikation von Forschungsergebnissen sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Als integrierter Mediendienst können die interaktiven digitalen Veranstaltungsmitschnitte je nach Kontext in das universitätsweite Lernmanagementsystem (LMS) oder die Webseiten der Einrichtungen der Universität Augsburg eingebunden werden (CMS).
Methodeneinsatz
Technisch basiert die Entwicklung der AV-Mediendienste auf webbasierten Audio- und Videotechnologien. Für das Streaming der Inhalte im Internet werden verschiedene Medienformate angeboten (Flash, Quick Time, diverse MPEG-Formate). Bei den serverseitigen Applikationen basieren auf datenbankgestützten Programmiertechniken (PHP, MySQL). Clientseitig wird auf Programmbibiliotheken auf der Basis von AJAX gesetzt. Bei der Begleitforschung zum „Aufbau der AV-Mediendienste" kommen entsprechend der Forschungsphilosophie einer grundlagenorientierten Anwendungsforschung diverse Forschungsinstrumente zum Einsatz. Den methodologischen Rahmen bildet dabei der Ansatz des "Design Based Research", der passend zum jeweiligen Untersuchungsgegenstand qualitative und quantitative Methoden miteinander kombiniert.
Datengewinnung
Begleitend zur Implementation der AV-Mediendienste werden die generelle Akzeptanz auf Seiten der Zielgruppen, Art und Umfang der Nutzung sowie die Effekte der neuen Produkte und Dienstleistungen auf Lehre, Forschung und Außendarstellung der Universität Augsburg untersucht. Zum Einsatz kommen dabei sowohl quantitative Methoden (z.B. Auswertung von Server-Logfiles und Befragungen der relevanten Zielgruppen) sowie qualitative Methoden (z.B. Interviews mit den Nutzern der Produkte und Dienstleistungen). Die Untersuchungen finden im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten statt.
Publikationen
- Lernen durch die Rezeption, Konstruktion und Reflektion digitaler Audio- und Videomedien an der Hochschule
- Transforming traditional classroom lectures into interactive digital media experiences
- AV-Mediendienste als neues Dienstleistungsangebot für Forschung und Lehre an der Universität Augsburg
- Projekt Knowledgebay - Erfahrungen mit der Produktion und Nutzung von Online-Vorlesungen durch Studierende
- Interaktive Medientechnologien in der Hochschullehre: Erfahrungsbericht zu einem experimentellen Seminarsetting
Präsentationen
GML 2008, Berlin; AMH 2009, Jena; Stud.IP 2009, Göttingen
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