KW Öffentliche Kommunikation
Profil
1. Selbstverständnis
Mit der zunehmenden Durchdringung aller Lebensbereiche mit Medien und der immer stärkeren Orientierung gesellschaftlicher und politischer Akteure an der „Logik" der Medien, kommt den Medien eine bedeutende Rolle in modernen Gesellschaften zu. Die Kommunikationswissenschaft befasst sich mit dieser Rolle, gleicht normative Ansprüche an die Medien mit tatsächlichen Leistungen der Medien ab und untersucht die Wechselwirkungen zwischen Medien und anderen gesellschaftlichen Subsystemen. Die öffentliche Kommunikation und die Bedingungen für ihr Funktionieren stehen dabei im Mittelpunkt des Interesses.
Die Kommunikationswissenschaft will die Rolle der Medien in den gesellschaftlichen und politischen Zusammenhängen bestimmen und nimmt dazu die Inhalte und Strukturen der neuen und alten Medien sowie die Nutzung durch Publikum und Akteure in den Blick.
Besondere Aufmerksamkeit gilt dabei auch dem Medienwandel. Die öffentliche Kommunikation steht durch die technischen Neuerungen, die Veränderungen der ökonomischen Bedingungen und den Wandel von Nutzungspräferenzen und -kompetenzen vor immer neuen Problemen und Chancen. Den Wandel von Medien und Gesellschaft gilt es kritisch zu begleiten.
Die Kommunikationswissenschaft hat sich als Reaktion auf den erhöhten Reflexionsbedarf entwickelt, der im Zuge der skizzierten Entwicklungen entstanden ist. Sie fokussiert auf den Gegenstand Medien und weist enge Verknüpfungen mit Politikwissenschaft, Soziologie, Psychologie und Pädagogik auf. Die Kommunikationswissenschaft versteht sich als sozialwissenschaftlich-empirisches Fach.
In Bezug auf die kommunikationswissenschaftliche Forschung und Lehre ergeben sich abgesehen von den beschriebenen Aspekten des Fachverständnisses etwas unterschiedliche Schwerpunkte, so dass eine separate Darstellung angemessen erscheint.
2. Lehre/Studium
Dem grundständigen Charakter des B.A.-Studiums wird Rechnung getragen, indem die Ausrichtung der Lehre sehr breit angelegt ist. Berücksichtigt werden die klassischen Gegenstandsbereiche der KW, die in den Modulen Journalismusforschung (und Medieninhalte), Wirkungs- (und Nutzungs-)forschung, Mediensysteme und Methoden ihren Niederschlag finden. Die KW deckt damit in der Lehre alle Bereiche öffentlicher Kommunikation bzw. Massenkommunikation ab. Lediglich die Individualkommunikation wird ausgespart. Technische Innovationen werden in Bezug auf ihre Effekten auf die öffentliche Kommunikation untersucht, jedoch nicht schwerpunktmäßig in Bezug auf die technischen Aspekte selbst thematisiert.
Im M.A.-Studium werden weiter Angebote in den genannten Modulen gemacht, die Ausrichtung engt sich nicht ein. Vielmehr können die Kenntnisse hier auf anspruchsvollerem Niveau individuell vertieft werden, je nach Interesse. Obgleich keine inhaltlichen Schwerpunkte vorgegeben werden, bietet es sich für fortgeschrittene Studierende an, dort zu vertiefen, wo auch die Forschungsinteressen der KW-Professur liegen. Hier ist das inhaltliche Angebot entsprechend breiter und es ergeben sich Möglichkeiten, in Projekten erste Forschungserfahrungen zu sammeln.
Ziel der Lehre ist es, Grundkenntnisse über das Mediensystem zu vermitteln, mit den klassischen Ansätzen und Befunden der KW vertraut zu machen und Methodenkompetenz zu entwickeln. Im B.A.-Studium werden die Inhalte stärker anwendungsorientiert vermittelt, sie sollen die Studierenden auf eine Berufstätigkeit im Medienbereich sowie in Bereichen, die sich der Planung, der Produktion, dem Einsatz und der Nutzung von Medien widmen, vorbereiten. Selbstverständlich müssen darüber hinaus noch zusätzliche Kompetenzen erworben werden. Das soll in Praktika und später im Beruf selbst geschehen. Im M.A.-Studium sollen die Studierenden stärker an die Forschung herangeführt werden. Die Forschungslogik von Untersuchungen zu Inhalten und ihrer Entstehung, Nutzung und Wirkungen soll durchdrungen werden. Damit sind erweiterte Methoden- und Statistikkenntnisse gefordert, das Arbeiten entspricht stärker wissenschaftlichen Standards.Ziel ist es, eine akademische Qualifikation zu vermitteln, die auch den Eintritt in die Wissenschaft ermöglicht.
3. Forschung/Projekte
Das Forschungsinteresse der Professur für Kommunikationswissenschaft richtet sich nicht auf den breiten, in der Lehre repräsentierten Gegenstandsbereich der KW, sondern setzt einen klaren Schwerpunkt bei der politischen Dimension öffentlicher Kommunikation. Das betrifft alle Bereiche, die mit dem Funktionieren demokratischer Öffentlichkeit zu tun haben. Hier wird also v. a. die politische Kommunikation in den Blick genommen. Das betrifft nicht nur die Politikvermittlung im engeren Sinne und die politikrelevanten Parameter des deutschen Mediensystems (etwa Pluralismus, Kritikgehalt, Verständlichkeit und „Bürgernähe"), sondern auch die Konstruktion und Vermittlung von Realitätsbildern, die gesellschaftliches und politisches Handeln anleiten, also etwa Politikbilder in Informationsangeboten, aber auch in Unterhaltung, Bilder von Arbeit oder bestimmten Bevölkerungssegmenten. Damit ist auch der Bezug zu Funktionen und Normen hergestellt, an denen die Qualitäten öffentlicher Kommunikation gemessen werden können. Zentrale Dimensionen sind dabei auf der Medienseite Transparenz und Vielfalt, auf der Publikumsseite Partizipation und Meinungsbildung, und auf der Seite des politischen Systems Legitimität durch Öffentlichkeit. Hier werden Dysfunktionen und Probleme untersucht und die Bedingungen identifiziert, unter denen Öffentlichkeit als Vermittlungssystem zwischen Zivilgesellschaft und Politik funktioniert.
In Bezug auf die verschiedenen Ebenen der politischen Kommunikation richtet sich das Interesse unserer Forschung
- auf der Mikroebene auf die Kommunikatoren/Journalisten, die politische Inhalte und Formate herstellen, sowie auf die Nutzung, Rezeption und Wirkung politischer Inhalte
- auf der Mesoebene auf die strukturellen Bedingungen der Medienproduktion in den jeweiligen Organisationen, und
- auf der Makroebene auf die Strukturen und Prozesse öffentlicher Kommunikation sowie auf die Regulierung von Inhalten und Zugängen durch die Medienpolitik oder andere Akteure.
Diese Forschungsinteressen liegen sowohl im theoretischen als auch im empirischen Bereich. Wir verfolgen sie zum Einen mit Projekten, die der Grundlagenforschung zugerechnet werden können, zum Anderen aber auch in der anwendungs- und problemorientierten Forschung. Entwicklung und Evaluierung neuer Techniken gehören indessen nicht zu den expliziten Zielen der KW. In der Forschung kommen in empirischen Analysen quantitative wie qualitative Verfahren zum Einsatz, in theoretischer Hinsicht knüpfen wir an Ansätze aus verschiedenen Disziplinen an.
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