Tobias Blessing, 25.10.07

Projekte Öffentliche Kommunikation

Forschungsaktivitäten der Kommunikationswissenschaft finden zum Teil gemeinsam mit anderen Mitgliedern des imb statt, zum Teil aber auch innerhalb des eigenen Kernfachs oder in Kooperation mit anderen Institutionen.

Die KW nimmt den breiten Gegenstand der öffentlichen, medienvermittelten Kommunikation in den Blick. Ein Schwerpunkt ist die politische Kommunikation. Dieses Themengebiet umfasst z.B. Fragen nach der europäischen Öffentlichkeit, dem Stellenwert von öffentlichem Diskurs im politischen Prozess, der Qualität medialer Produkte oder der gesellschaftlichen Selbstverständigung qua Medien. Des Weiteren interessiert der Einfluss von medialen Inhalten und Darstellungsformen auf Individuum und Gesellschaft sowie die Rolle von Medien in modernen Demokratien und in zwischenstaatlichen Konflikten.

Der kommunikationswissenschaftliche Fokus deckt sich mit dem der anderen imb-Mitglieder vor allem hinsichtlich der Aufmerksamkeit für digitale Medien und für die Vermittlung von Informationen/Wissen an Rezipienten/Nutzer. Überschneidungen mit den Forschungsinteressen der Bildungstechnologie gibt es mit Blick auf diese Gegenstandsbereiche damit in erster Linie bei zwei Fragestellungen: Zum Einen bei Fragen nach der öffentliche Kommunikation und dabei entstehenden Problemen bei der Nutzung, Rezeption und Aneignung von Informationen (hier ist vor allem an den Bereich der politischen Bildung, aber auch an Transparenzansprüche und die demokratietheoretisch relevante Größe der Legitimität zu denken). Zum anderen finden sich Überschneidungen bei Fragen, die den Medienwandel betreffen (das umfasst Fragen nach Strukturen im Zeitvergleich, Effekte auf den politischen Prozess und seine Akteure, auf die Öffentlichkeit sowie den Einzelnen und veränderte Nutzungs- und Rezeptionsmuster).

An dieser Stelle werden die KW-spezifischen Forschungsprojekte kurz skizziert um einen Einblick in die Aktivitäten an der Professur zu geben. Diese befruchten auch das aktuelle Lehrangebot der KW. Besonders in den Masterseminaren finden die Forschungsaktivitäten ihren Niederschlag. Von der kritischen Auseinandersetzung mit der Forschung in den Veranstaltungen und vom Engagement der Studierenden profitiert wiederum die Forschung.

Die im Folgenden skizzierten Forschungsprojekte stellen kein konsistentes oder gar geschlossenes Forschungsprogramm der KW dar, sondern sind für weitere Interessen anschlussfähige Ansatzpunkte, die die Interessen der Forschenden widerspiegeln.

Laufende Projekte:

Eilders/Nitsch: Kultivierung von Politikbildern durch Unterhaltungsformate

Das Projekt untersucht zunächst inhaltsanalytisch medienvermittelte Politikbilder in verschiedenen Genres und Medien. Mit Blick auf mögliche Wirkungen werden Hypothesen über die Effekte beim Publikum - in Abhängigkeit von weiteren Einflussfaktoren - generiert. Das Projekt setzt sich aus unterschiedlichen Kleinprojekten zusammen, die als Vorstudien für eine umfassender angelegte empirische Studie im Rahmen des Kultivierungsansatzes dienen. Dabei handelt es sich um Untersuchungen zur Darstellung von Politik im Umfeld der Bundestageswahlen („Lindenstraße"), zum Politikbild in „Tatort" und „Polizeiruf 110" sowie zur Darstellung der kommunalpolitischen Ebene („Der Bulle von Tölz" und „Um Himmels Willen"). Außerdem wird im Sommersemester gemeinsam mit Prof. Dr. Carsten Wünsch ein Experiment zur Kultivierung von Politikbildern durchgeführt. Die Befunde aus den Vorstudien fließen in einen entsprechenden Projektantrag ein, der im Herbst 2009 fertig gestellt werden soll. (Vorarbeiten seit Sommer/Herbst 2007; anschließend an das entsprechende Masterseminar im SoSe 2007; außerdem Begleitstudiumsangebot WS 2007/08, Masterseminar im SoSe 2008, BA-Seminar WS 2008/09)

Eilders: News value and narrativity in professional journalism and user-generated news on the www

Critics of news reporting in news papers, radio or television have emphasized that journalistic selection and construction routines lead to news with only little appeal for the audience. Complying with news factors the news highlight relevant aspects of events (like references to elites or negative consequences), but they fail to attract the audience´s sustained attention. The audience only processes the information superficially and hardly remembers the news items. With the advent of larger virtual memory in the www and improving opportunities for users to generate content themselves new forms of news reporting emerged. Lay-journalists have started to contribute their account of news and now compete with the professional journalists for the attention of the audience. Instead of stringing together news factors they have started to construct news according to different criteria. Since users, or more specifically bloggers, do not have to comply with normative claims of neutral reporting, but may also introduce elements that arrest the audience´s attention, it is assumed that they use criteria that enhance the narrative richness of a report. Thus, narrativity might represent a possible characteristic of user-generated news content. We suggest breaking down the concept of narrativity into individual text characteristics that can be operationalized as narrativity factors. Although in many cases narrativity factors can be translated into news factors, there are others that need particular attention since they might represent additional explanations for news processing. The project examines the role of narrativity by relating it to the better known news factors that shape journalistic news coverage. It aims at assessing the relation between the two concepts. It is assumed that news content beyond professional journalism possesses higher degrees of narrativity, while news factors are expected to play a critical role in both types of news content. A comparative content analysis of news reports by professional journalists and news content by users is employed in order to investigate differences and commonalities between professional journalism and user generated news content.
Ein Vortrag zu dem Thema fand im Mai 2008 auf der ICA-Jahreskonferenz in Montreal statt, der Artikel dazu wird im Sommer 2009 erscheinen.

Eilders/Lichtenstein/Nitsch: The role of mainstream media and micro media for democratic performance in comparative perspective

The project represents preparatory work for a research proposal for funding by the EU. It explores the role of the media for the functioning of European democracies. It sets out to develop a multi-variable, multi-level model for the analysis of the interrelation between different macro, meso, and micro factors affecting democratic outcome in several European member states. Special attention is directed to the rise of web-based micro media where users disseminate and share their views of political reality by generating their own media content The micro media can be seen as an expansion but also as a competitor of the mass media as they shape public debate, enhance the chances of participation, and increase the degree of pluralism in the public sphere. It is assumed that rather than reflecting journalistic routines and the views of political elites or big interest groups, micro media indicate the relevance criteria of civil society and show the problem perception of the citizens. Whether or not the web-based micro media means an enhancement of public discourse and how the specific interplay between different types of media affects democratic performance is an open question that will be addressed in the project. Media´s contribution to democratic functioning depends on various factors that lead to different results in different national settings. By comparing the structure and content of media discourse in different EU-member states the project aims to identify the conditions under which democratic performance is fostered in different national settings and on the transnational level of European governance.

Eilders: Die Wahrnehmung öffentlicher Meinung im individuellen Meinungsbildungsprozess

Mit dem Aufkommen der Mitmachformate hat sich die mediale politische Kommunikation grundlegend gewandelt. Die Differenzierung zwischen Publikums- und Kommunikatorrollen ist aufgelöst und der Zugang der Bevölkerung zur aktiven Teilnahme am politischen Diskurs ist wesentlich erleichtert. Immer mehr Menschen artikulieren ihre Sichtweisen in der öffentlichen (medialen) Kommunikation. Das Projekt untersucht diesen Wandel in Bezug auf die Auswirkungen auf die Wahrnehmung von öffentlicher Meinung. Während es in der Ära der Massenmedien (sowohl für politische Akteure als auch für die Bürger) vergleichsweise einfach war, den öffentlichen Diskurs in seiner Breite zu beobachten und die unterschiedlichen „Lager" der aktuellen Debatten zu identifizieren, ist mit dem Aufkommen von user-generated content und der daraus resultierenden Zersplitterung der öffentlichen Debatte in kleinere kommunikative Netze oder Teilöffentlichkeiten die Beobachtung der gesamten Breite des Diskurses zunehmend schwierig geworden. Das Bild der öffentlichen Meinung dürfte sich in der Folge erheblich verändert haben. Damit müssen auch die Modelle zur Wirkung öffentlicher Meinung auf die individuelle Meinungsbildung sowie auf die Entscheidungsfindung im politischen System differenziert werden. Das Projekt konzentriert sich zunächst auf die veränderte Wahrnehmung öffentlicher Meinung. Es untersucht, wie sich in Abhängigkeit unterschiedlicher Nutzungsgewohnheiten (mehr oder weniger user-generated content und Massenmedien), die Wahrnehmung der Übereinstimmung öffentlicher Themen und dazu geäußerter Positionen gestaltet. Dabei stehen Ansätze im Vordergrund, bei denen die Wahrnehmung öffentlicher Meinung eine zentrale Größe ist. Hier sind v.a. die Theorie der Schweigespirale und Koorientierungsansätze zu nennen, ebenso der third-person- und der hostile-media-effect, die looking-glass-perception und pluralistic ignorance.
Das Projekt ist Teil eines größeren Forschungskontextes und befindet sich gegenwärtig in der Antragsphase (DFG).

Eilders/Lichtenstein: Europäische Identität

Projektbeschreibung und Projektteam siehe hier.

Lichtenstein: Länderimages

Länderimages und Stereotype strukturieren die Wahrnehmung, wenn sich unsere Aufmerksamkeit auf andere Länder richtet. Das Projekt untersucht, inwieweit sie die Perspektive in der Wahlkampfberichterstattung lenken. Es wird argumentiert, dass zu jedem Land positive und negative Stereotype existieren, die als Interpretationsrahmen für die Darstellung der Kandidaten zur Verfügung stehen. Zu analysieren ist, ob und wie stark diese Stereotype als Frames für eine Charakterisierung und Kontrastierung der Politiker verwendet werden und ob insgesamt eher negative oder positive Stereotypisierungen vorgenommen werden. Ziel ist es, zu erkennen, welche Relevanz nationale Stereotype im Framing politischer Akteure einnehmen und welche Bewertungen der Politiker sich im Medienbild durch Stereotypisierungen herauskristallisieren.

Nitsch: Journalismus in der Fiktion

Das Dissertationsprojekt untersucht die Darstellung von Fernsehjournalisten in deutschen und amerikanischen Romanen zwischen 1970 und 2005. Mittels Inhaltsanalyse werden neben Informationen auf Akteursebene (soziodemografische Merkmale, Berufsmotive, Rollenbilder etc.) auch die medialen Rahmenbedingungen (Organisationsstrukturen, Finanzierung, etc.) erhoben. Die herausgearbeiteten journalistischen Berufsbilder ermöglichen zunächst eine deskriptive Darstellung des fiktionalen TV-Journalisten im Zeitverlauf sowie im internationalen Vergleich. In einem zweiten Schritt werden Parallelen und Unterschiede zwischen den fiktionalen und realen Fernsehakteuren aufgezeigt und die Ergebnisse vor dem Hintergrund der Medienwirkung fiktionaler Unterhaltungsangebote (insbesondere Literatur) diskutiert. Der Abschluss des Dissertationsprojekts ist für 2009 geplant.

Nitsch/Florian: Irgendwas mit Medien?! Befragungen der MuK-Studierendenschaft

Bereits seit seinen Anfängen wird der Studiengang Medien und Kommunikation evaluiert. Im Laufe der letzten Jahre wurden die Befragungen stetig weiterentwickelt und ausgebaut. So finden inzwischen neben den jährlichen Erstsemester- und Absolventenbefragungen auch unregelmäßigere Befragungen der Dritt- und Fünftsemester und auch der MuK-‚Verweigerer' statt. Ziel des Projektes ist es, das Profil der Augsburger Studierendenschaft zu erheben (Wer studiert MuK und warum?) und durch die Anregungen der Studierenden den Studiengang weiter zu optimieren. Bei dem Projekt handelt es sich um ein Gemeinschaftsprojekt von KW und Medienpädagogik. Die Befragungen werden jeweils im Wintersemester durchgeführt und die erhobenen Daten im Rahmen des Begleitstudiums ausgewertet und interpretiert.